© Frischs Bier_c_Tourismusverband s'Innviertel_ Mayerhofer
© Frischs Bier_c_Tourismusverband s'Innviertel_ Mayerhofer
Nahaufnahem von zwei Gläsern Bier anstoßend; in Gastgarten; Sommer
SucheSuchen
Schließen

Innviertler Biermärz 2022

Eine Erfolgsgeschichte in Fässern

Mit dem März ist es ja so eine Sache: Meist kann er sich nicht entscheiden, ob er Winter oder Frühling sein will. Im Innviertel hat man eine unterhaltsame und genussvolle Antwort auf dieses ermüdende Dilemma gefunden: 31 Tage lang zelebrieren wir das Thema Bier – in Ausstellungen, Konzerten, Führungen, mit speziellen Menüs bei den Bierwirten und anderen kulturellen und kulinarischen Genüssen.

Neugierig geworden? Du bist nur einen Klick vom nächsten kühlen Flascherl Bier entfernt

nähere Infos

Nun stellt sich die Frage,

woher eigentlich der Begriff Biermärz stammt?

Um das zu klären, müssen wir ein paar Jahrhunderte zurückreisen: in den warmen Monaten war einst das Brauen aufgrund mangelnder Kühlmöglichkeiten schwierig. So hat man im März ein starkes Bier eingebraut und es den Sommer über in tiefen Kellern zwischen Eisblöcken gelagert. Das einst sehr starke
Märzenbier lag nahe am Bockbier und hat mit dem modernen Märzen nur wenig gemeinsam. Den letzten kräftigen Sud feierte man schon anno dazumal ausgiebig. Nachdem die geselligen Innviertler keine Möglichkeit auslassen, sich zusammenzusetzen, um aufeinander anzustoßen, lag der Entschluss nahe, diese Tradition zu pflegen. Außerdem solle man die Feste schließlich feiern, wie sie eben fallen. Kurzum: Der Biermärz war geboren und feiert heuer seinen 10. Geburtstag! 
 

In diesem Jahr zelebriert das Innviertel den Biermärz mit einem vielfältigen Programm: Bier-Podcasts, Probierboxen, reichlich Bier-Lesestoff, virtuellen Veranstaltungen u.v.m.


Hinter jedem Hügel eine Brauerei!

Einen wichtigen Punkt haben wir bislang aber noch nicht geklärt: damit aus Wasser, Hopfen und Malz ein köstlich goldener Trunk entsteht, braucht es das nötige Geschick und Wissen. Zehn Brauer aus der Bierregion Innviertel bilden den Kern dieser illustrierten Vereinigung. Von ganz klein bis mittelgroß, ein durchaus inhomogener Haufen, der aber zusammensteht wie einst die drei Musketiere. Jede der Brauereien hat ein eigenständiges Profil und eine Fangemeinde, die Brauer sind sich aber auch nicht zu schade, den Kollegen mit Material oder Erfahrungen auszuhelfen. An einem Strang zu ziehen hat sich als durchaus probates Mittel gegen die Übermacht großer Konzerne und als sprudelnder Quell für kreatives Bierhandwerk erwiesen.

Die Brauer und Wirtshäuser der Bierregion verteilen sich auf die drei Bezirke Braunau, Ried im Innkreis und Schärding. Eine kleine Landpartie führt nicht nur zu überschäumendem Biergenuss, sondern auch auf eine Entdeckungsreise abseits gängiger Tourismusdestinationen. Ein wenig hügelig, dazwischen flach, barock und malerisch und dabei doch ganz im Heute.


Wir brauen Bier, weil es uns Freude macht.
Martin Erlinger
Brauerei Pfesch

Jedoch, der Mensch lebt nicht von Bier alleine… auch wenn man den vollmundigen Gerstensaft im Innviertel durchaus als Grundnahrungsmittel deklarieren kann und der Spruch „des Batzl, wos ih iss, des konn ih trinken ah“ mehr ein Versprechen als eine Drohung darstellt.

*für unsere weniger Dialekt-affinen Gäste, hier die schnörkellose Übersetzung: zwei Bier ersetzen eine Frühstückssemmel ;-)

So zwinkern uns auf der Reise durch die Bierregion Innviertel an vielen Ecken die berühmt Bier- und Braugasthöfe verlockend zu.


Wussten Sie, dass wir Bierwirte Euch ausgewählte Biermenüs mit excellenten Innviertler Bieren kredenzen?

...das lassen wir uns nicht zweimal sagen und nehmen ein Brauwirtshaus genauer unter die Lupe:

Nicht einmal zehn Kilometer Luftlinie sind es von der Brauerei Wurmhöringer in Altheim bis nach Bayern, der sprichwörtliche Katzensprung also. Claus Franz Wurmhöringer, Spross der gleichnamigen Brauerdynastie und mit 22 Jahren einst jüngster Braumeister Österreichs, ist also ganz nah dran am – selbsternannten – Mutterland des Bieres.

Noch kürzer ist der Weg von der Brauerei zum dazugehörigen Brauwirtshaus am Stadtplatz. Über eine schmale Gasse, einen schmucken Innenhof und zu guter Letzt durch Sekretariat und Küche gelangt man an einen Ort der Seligkeit, an dem sich der Alltag schwuppdiwupp vergessen lässt. Eine Gaststube, wie sie sein soll, mit immerwährendem Biernachschub. Hinter der Schank steht Chef Claus Wurmhöringer und zapft gekonnt ein Glas „Kellertrübes“. „Ich arbeite dort, wo ich gerade gebraucht werde“, sagt der 30-Jährige. Das kann die Brauerei sein, wo er gemeinsam mit Braumeister Michael Katzlberger an neuen Rezepturen tüftelt oder die Technik steuert, aber auch das Wirtshaus, wo am Sonntagvormittag jede helfende Hand willkommen ist. Manchmal repariert er auch einen Reifenplatzer im Fuhrpark, betreibt die Familie Wurmhöringer doch gleichzeitig auch ein Transportunternehmen. Vater Franz ist ebenfalls Brauer aus Leidenschaft, Mutter Gudrun und Schwester Doris schupfen den Gasthof.

Kerngeschäft ist freilich das Bier. 1652 wurde die Privatbrauerei erstmals erwähnt, seit 1885 ist sie im Familienbesitz. „Doch wir ruhen uns nicht auf der Geschichte aus, sondern modernisieren laufend“, sagt Claus Wurmhöringer. Eine Photovoltaikanlage versorgt die Brauerei mit Strom, demnächst soll eine neue Sudpfanne angeschafft werden.

Sein Großvater, erzählt Claus Wurmhöringer, habe eine Liebe zu Lastwagen gehabt und diese auf recht geschäftstüchtige Weise ausgelebt: Als einer der ersten Bierbrauer überhaupt belieferte er als Nichtwiener Geschäfte in der Bundeshauptstadt mit Bier aus dem Innviertel. Seine Nachfolger taten und tun es ihm gleich: Noch heute gehen 95 Prozent der Produktion in den Handel. Der Rest verteilt sich auf eine Handvoll Wirte und sichert die Versorgung des Braugasthofs.

© Wurmhöringer_c_Tourismsuverband s'Innviertel_Tom Son
Braumeister Claus Wurmhöringer zapft Bier aus einem Tank
© Wurmhöringer Getreide_c_Tourismusverband s'Innviertel_Tom Son
Braumeister Claus Wurmhöringer schaut Getreide in Mühle an

Rezeptidee

Innviertler Bierfleisch

Für alle, die sich selbst als Hobby-Bierwirt versuchen wollen, empfehlen wir Wurmhöringers Bierfleisch!

Wurmhöringer's Bierfleisch

Prost, Mahlzeit!

Zutaten für 4 Personen:

4cl Öl
1 EL Zucker
Beides dunkel karamellisieren600g bratiges Rindfleisch, Wadschinken oder Wildragout
100 g Lauch
2 EL Mehl
2 Kaffeelöfferl Tomatenmark

weiterlesen

Grob gewürfeltes Fleisch zum karamellisierten Zucker geben und mitrösten, bis alles eine schöne Farbe hat.

1/3l Zwicklbier dunkel zum Ablöschen
1 Liter Rindssuppe zum Aufgießen
400g Gemüsewürfel (Karotte, Sellerie, Peterwurzen)
Salz, Pfeffer geschrotet, Kümmel gemahlen, 1 Zehe Knoblauch und Majoran würzen, und ca. 1 Stunde köcheln.
Gemüsewürfel beigeben und noch ½ Stunde weich köcheln.
2 Rippen Kochschokolade und Schwarzbrotbrösel zum Eindicken verwenden.

Mit Sauerrahm garnieren.

Tipp: Gewürze wie Lorbeer, Wacholder, Rosmarin in etwas kaltem Wasser zustellen und einreduzieren lassen und den Sud durch ein Sieb ins fertige Gericht passieren.

Beilage: Spätzle, Knödel oder Nudeln.

Salat: Kartoffel-Endiviensalat oder warmer Krautsalat, Wintergemüse (dafür Bierfleisch ohne Gemüse machen)

Info Wurmhöringer
© Innviertler Bierfleisch©Wolfgang Czeland
Innviertler Bierfleisch
Wurmhöringer's Bierfleisch zum Nachkochen
Video

Auch der berüchtigte Bierbauch gilt im Innviertel eher als Indikator für gepflegte Gastlichkeit, denn als Zeichen der Völlerei! Ein wichtiger Unterschied, den du dir bei deinem Besuch im Innviertel unbedingt merken solltest.

Apropos gepflegte Gastlichkeit: dieses Wort, das im Innviertel beinahe einem Lebensmotto gleicht, nimmt in Form eines kleinen unscheinbaren Kellers Gestalt an.

Auf den ersten Blick wirkt der verwinkelte Gang durch die Gaststube des Biergasthofes Riedberg simpel. Doch dann heißt es plötzlich: kopfeinziehen und festhalten. Nach ein paar holprigen Stufen in die Unterwelt der Stadt Ried im Innkreis steht man inmitten eines nur wenige Quadratmeter großen Kellerraumes, der Heimat unzähliger feinsäuberlich sortierter Bier-Variationen geworden ist. Pflegevater dieser Köstlichkeiten ist Diplomsommelier Karl Zuser, jun., der mit gekonntem Blick und Geschmack für jeden Besucher das richtige Gebräu auswählt.


Das Thema Bier wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt.
Karl Zuser jun.
Biergasthof Riedberg

Gedicht an einen Brauer

"Im Märzen der Brauer"

Im Märzen der Brauer das Malz mahlt zu Schrot.
befeuert den Kessel und gönnt sich ein Brot.
Er rackert und rühret und maischt bis er fällt
ins Bett zu der Liebsten, die treu zu ihm hält.

Erholt und geläutert, verkocht er den Sud
es siedet der Hopfen, es wallet sein Blut.
Das Bier schwimmt im Bottich, jetzt gönnt er sich Ruh,
es schuftet die Hefe, der Brauer sieht zu.


Der Brauer entspannt sich, es Trocknet sein Schweiß,
das Bier stellt er kalt und die Liebste ist heiß.
Vergnügliche Zeiten das Paar nun genießt,
das Märzen braucht Wochen bis golden es fließt.

 

Die Liebste in Hoffnung, im Keller das Bier,
er streichelt jetzt beides und bald sind sie vier:
der Brauer, die Bräurin, das Märzen, das Kind,
er kann es kaum glauben, wie prächtig sie sind.

Der Brauer wird greis nur mit Frau und mit Spross,
das Fass aber bald sich zur Neige ergoss.
Drum braut er ein Märzen alljährlich erneut –
zum Dank, weil im Leben er gar nichts bereut.

Im Märzen der Brauer das Malz mahlt zu Schrot.
Sein Spross wird’s ihm gleich tun, wenn er einmal tot.
So kommts, dass im Innviertel – allseits beliebt –
in tausenden Jahren es Märzen noch gibt.